Clemens Goeke
der singende Sonnen-Apotheker

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Clemens Goeke    *1922      † 1998


Clemens Goeke – Ein leidenschaftlicher Sammler
von Ursula Brebaum, Borken

Ein großer Freund und leidenschaftlicher Sammler heimatlichen Volksgutes verstarb plötzlich und ohne langes Siechtum am 20. Januar 1998 an der Stätte seines jahrzehntelangen Wirkens, hinter der Offizin seiner Apotheke. Seine Liebe zur Musik und sein berufliches Tun hatten ihn im Borkener Land als "singenden Apotheker" bekanntgemacht.

Clemens Goeke war kein Borkener Junge, aber durch seine heimatverbundene Art ist er zu einem solchen geworden. Am 10. April 1922 wurde er in Hamburg-Altona geboren, wo sein Vater, der aus Geseke/Lippstadt stammte, als Zollbeamter tätig war. In den 30er Jahren wurde der Vater nach Borken, das der Familie zur Heimat werden sollte, versetzt. Hier, in einem kleinstädtischen Umfeld, mit einer heimatverwachsenen Bevölkerung, die zum großen Teil noch Platt-deutsch sprach, entwickelte sich das Interesse Clemens Goekes für die westmünsterländische Volksmusik.

Schon sehr früh spürte er dem im Kreis Borken noch gepflegten "Kunterdans" nach und fand Parallelen dazu im höfischen französischen "contredance", der um 1700 als englischer "country dance" nach Frankreich gekommen war. Die Musik dazu war ohne Musikliteratur überliefert worden, doch Clemens Goeke konnte sie dank seines Talentes schriftlich fixieren.

In Zusammenarbeit mit Josef Langenbrinck, der dem Musikarrangement von Clemens Goeke aus Textfragmenten neue Texte unterlegte, konnte der Heimatverein Borken im Jahr 1976 als Ergänzung zum 1966 vom Landkreis Borken publizierten "Leederbook för't Borkske Land" das Heftchen "Borksken Kunterdans" herausgeben.

Neben seiner Liebe zur klassischen Musik – jahrelang hatte das Goeke-Quartett zahlreiche Veranstaltungen musikalisch umrahmt – war er ein Organist aus Passion. Sein Können stellte er unter Beweis, als er 1975 die C-Prüfung mit dem Prädikat "sehr gut" bestand. Gern war er bereit, Gottesdienste an der Orgel mitzugestalten – selbst an seinem Todestag hatte er morgens noch ein Requiem begleitet. In seiner gründlichen Art ging es Clemens Goeke aber nicht nur um das Orgelspiel, sondern auch um die Geschichte der Orgel an St. Remigius und die Organisten, die dort, soweit nachweislich, angestellt waren. Ein dicker Ordner gesammelter Dokumente wartet auf eine Bearbeitung, die er sich für seine alten Tage vorgenommen hatte.

Es war ein Anliegen Clemens Goekes, das von ihm gesammelte Liedgut unters Volk zu bringen. Eine Möglichkeit dazu sah er in seinem Mitwirken bei der Maitremse, einem alten Borkener Brauch zu Beginn des Monats Mai. Seit Mitte der 60er Jahre hat er Jahr für Jahr auf seinem "Trekkebühl" (Akkordeon) mit den Kindern und Erwachsenen die alten Mai- und Tremselieder auf dem Marktplatz gesungen, vorgesungen und dann mit pädagogischem Geschick alle in den Gesang eingebunden. Später konnte man dann die gedruckten Texte in seiner Apotheke als Zugabe erhalten.

Als er im Jahre 1968 die Königswürde der St. Johanni-Schützengemeinde errang, brachte er mit den von ihm zusammengestellten "Borkener Schützenliedern", deren Textheftchen er großzügig verteilte, Stimmung ins Zelt. Heute noch sind sie Bestandteil des Festablaufes.

Immer wieder wurden dank seiner Initiative, wobei er auf den umfangreichen Fundus seiner Sammlung zurückgreifen konnte, zu verschiedenen Anlässen wie "Hochzeit und Bogensetzen", "Kroamstuuten breggen" und "Füeranbööten", zum Richtfest, für den Nikolauszug und das Weihnachtsfest von ihm eigenfinanzierte Liedsammlungen großzügig verteilt. Viele Vereine griffen bei Veranstaltungen auf seine Publikationen zurück, wobei er auch gern selbst die Gesangsbegleitung, stets ergänzt durch humorvolle Kommentare zu den Texten, übernahm. Ältere Menschen werden sich an seine musikalischen Geburtstagsgrüße, mit denen er sie an hohen Geburtstagen überraschte, erinnern wie auch an die von ihm gestalteten Alten-Nachmittage.

Seine tiefe Frömmigkeit ließ ihn auch kirchliches Liedgut sammeln. Selbstverständlich kannte er die Lieder, die "zum besonderen Gebrauche der Pfarrgemeinde St. Remigius zu Borken" 1933 herausgegeben worden waren. Viele davon gehörten zu seinem Repertoire, wenn er einen Gottesdienst musikalisch gestaltete, zumal sie seiner ihm eigenen Religiosität entsprachen. In den Jahren 1985-1988 stellte er dann Gesänge unterschiedlichen Genres für den Gottesdienst, das Marienlob oder ein Requiem zusammen.

Die Stimme Clemens Goekes ist für immer verstummt; doch in den letzten Wochen vor seinem Tod war es ihm noch möglich, viele Lieder auf Band aufzunehmen. Mögen sie nicht nur eine Dokumentation volkstümlichen Liedguts, sondern eine Quelle der Freude für viele Menschen sein.

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© Clemens Goeke